Klare Geister und flüssiges Obst
Wie vergleicht man Äpfel mit Birnen? Oder auch Erdäpfel mit Dinkel? Natürlich flüssig und – weil es noch mehr Spaß macht – mit dem einen oder anderen Prozent Alkohol. Tasting_forum 32 widmete sich den klaren Basisspirituosen, das Forum Nummer 36 der reinen Saftlehre.
Klare Geister
PuristInnen trinken auch die Spirituosen der härteren Abteilung pur – also ohne Eis. Das ist gut und recht, denn einige der wirklich „harten Bio-Kerle“ überraschen unter der „ruppigen Schale“ mit einer fast schon weichen, cremigen und jedenfalls
unglaublich bunten Aromen- und Geschmacksvielfalt. Apropos bunt: Vodka ist eine Basisspirituose, die niemals Farbe bekennt. Also immer kristallkar ist. Den Vodka zeichnet ausgedehnte Neutralität und ein schwer fassbares Nichts an Aromen aus. Beim Tasting_forum „Klare Geister“ wurde in
der Harmer’s Bar in Wien-Ottakring klaren Geistes aufgezeigt, was die heimischen und internationalen Bio-Vodka-BrennerInnen so drauf haben:
Nørderd pure potato vodka
Charaktervoll und ausdrucksstark statt filigran und zu Tode filtriert. Oder nördlich von Maissau statt östlich von Moskau. Der nørderd Pure Potato Vodka kann was. Alleine oder im Drink. Und auch das heißt was. Für viele Cocktails ist Vodka schlicht die alkoholische Grundlage. Anders der nørderd. Der wartet mit so viel fülliger Kraft und Eigencharakter auf, dass er viele Barkeeper zu eigenen Cocktailkreationen inspiriert. Und er ist aus Erdäpfeln.
O-Vodka Organic Premium Vodka
Es ist der Weltmeistervodka aus dem Mostviertel. Ein Klassiker. Er ist eine Vodka alter Schule. Also auf Getreidebasis, perfekt mit Wasser optimaler Härte eingestellt, behutsam filtriert. Was dabei herauskommt, ist ein kristallklarer, sortentypischer eleganter und trotzdem prägnanter Vodka internationaler Stilistik. Ein Gewinn für jede Bar und jeden Drink.
Wodka Wanessa Pure Spelt
Wanessa arbeitet mit Dinkel. Mit Bio-Dinkel. Weil es – hildegardmäßig – ein echter Frohmacher ist. Und gesund. Wir haben das überprüft. Der Wodka Wanessa macht wirklich froh. Erstens weil er über die Maßen köstlich ist. Und weil er eben aus Bio-Dinkel ist. Wanessa ist ein überraschend milder und cremiger Wodka. Weder aggressiv in der Nase noch am Gaumen hat Wanessa einen vollen Körper, getreidiges Aroma mit einem Hauch Vanille.
Saftladenparade
Obst und Gemüse sind gesund, wenn man sie auch in ausreichender Menge zu sich nimmt. Das Argument ist gut, wenn auch beim Tasting_forum „Saftladenparade“ nur von zweitrangiger Bedeutung. Vielmehr stand auch bei diesem Forum der Genussvorteil im Vordergrund, alleine schon deshalb, weil potenzielle Gesundheitsvorteile mit dem einen oder anderen alkoholischen Gustostückerl ausgeglichen wurden. Wie selbstverständlich wurden an diesem Abend Äpfel mit Birnen verglichen, aber auch Säfte mit Mosten, Moste mit Cidres, Burgenland mit Mostviertel, Südtirol mit Frankreich und – frei von jeder Parteipolitik – rot mit grün etc. etc.
Saft – Schweizer Wasserbirne
Der Saft der Schweizer Wasserbirne ist das Saftflaggschiff der Adelsbergers in Randegg (im Mostviertel). Sie machen aus der Frucht einen sensationell fruchtigen, hellen und erfrischenden Birnensaft. Der ist sauber, glockenklar und trotzdem rustikal birnig. Ausgesprochen harmonisch, nicht zu süß und mit lebendiger Säure gesegnet. Ein Durstlöscher für jeden Haushalt.
Most – Schweizer Wasserbirne
Wir sind immer noch bei den Adelsbergers und immer noch bei der Schweizer Wasserbirne. Jetzt ist es halt doch so, dass ein paar Volumsprozent Alkohol einen Birnensaft dergestalt verändern, dass Komplexität und Trinkspaß steigen. Der Most von der Schweizer Wasserbirne ist ein heller, strahlender Birnenmost, der durch Frische und unbändige Fruchtigkeit überzeugt. Mit oder ohne Soda. „Gsundheit“!
Cidre – Poiré Granit
Cidres liegen im Trend. Eindeutig. Birnenmäßig drängt sich hier der Poiré Granit von Eric Bordelet auf. Ein (biodynamischer) Birnencider, der von seiner Feinheit und Eleganz her schon sehr nah an gutem Champagner ist. Die Birnen kommen von über 100 Jahre alten Bäumen auf felsigem Granitboden. Das Ergebnis ist ein heller, kristallklarer und tiefgründiger Schaumwein für große Momente.
Edelbrand – Schmiedfeuer
Am Etikett steht ganz verstohlen „Bio-Edelbrand aus Äpfeln und Birnen“. Understatement. Was da in die Flasche gefüllt wurde, ist die Meisterschaft der Brennkunst. Im Kern noch deutlich vom Kernobst geprägt, kommt der saubere Brand dann doch mit der Wucht der Holzfass-Aromatik daher. Großes Schnapskino, was hier geboten wird.
Egal ob mit oder ohne Alkohol. Bio-Obst, -Gemüse und -Getreide schmecken ausgezeichnet. Zudem haben die kreativen Bio-VerarbeiterInnen aus der botanischen Basis ganz große Getränke zubereitet. Sommer und große Hitze können kommen, wir sind gut vorbereitet.



Die Kunst des Brotbackens stammt aus Ägypten, wo vor etwa 2000 Jahren das Sauerteigbrot eher zufällig entdeckt wurde. Ein Wasser-Mehlpatzen wurde liegengelassen und nach Tagen einem anderen Teig zugemischt. Und siehe da: Das Gebäck war nicht nur luftiger, sondern auch wohlschmeckender und bekömmlicher. Trugen die Brotmahlzeiten bis vor wenigen Jahren noch wesentlich zu unserem Sattwerden bei, so fällt in den Statistiken auf, dass wir immer weniger Brot essen. Waren es in den 60er Jahren noch über acht Kilogramm pro Kopf und Monat, so halten wir, trotz einer zwischenzeitlich fast unüberschaubaren Brot- und Gebäckvielfalt, derzeit bei nur mehr 4,7 Kilogramm. Verschobene Essgewohnheiten gelten ebenso als Grund wie zunehmende Lebensmittelunverträglichkeiten.
Fish & Chips?! Fettige Finger, formloser Allerweltsfisch, labbrige Pommes, Übelkeit. Das muss nicht sein! Christoph Fink, Christian Mezera und Alex Schönlechner sind drei großartige Köche, die sich dem autochthonen Geschmack verschrieben haben. Die Aufgabe, Fish ’n‘ chips in einer Gourmetvariante zu servieren, reizte sie. Rasch war klar, dass das Englische ins Waldviertlerische übersetzt werden musste. Statt Kabeljau & Co gab es das Beste aus den Waldviertler Biofisch-Teichen. Und von den Waldviertler Bio-Äckern der Arche Noah. Als ideale Ergänzung und für den regionalen Ausgleich kamen die Weine vom Lesehof Stagård aus Spitz in der Wachau und der Erdäpfelvodka(wieder aus dem Waldviertel.
Die Chips
Bittere Pflan zen
Wolfgang Palme vom LFZ Schönbrunn gewährte als Gastgeber des Verkostungsabends aber nicht nur theoretische Einblicke in die Welt der Bittersalate, er eröffnete den Anwesenden auch einen neuen Zugang zu einer unbekannten bzw. häufig vergessenen Geschmacksdimension. Verkostet wurden unter anderem folgende Sorten:
Reinhold Barta, Bier-Sommelier und Braumeister von Gusswerk, einer der wenigen reinen Bio-Brauereien Österreichs, war persönlich vor Ort und offerierte nicht nur zahlreiche Spezialitäten aus seiner Bio-Brauerei, sondern schenkte den VerkosterInnen auch reines Bier in Sachen Braukunst ein.
Stiftsbrauerei Schlägl | Bio-Roggen, 4,9 % Vol.
Brauhaus Gusswerk | Dies Iræ|Barely Wine, 10,9 Vol.%
Will man sich verschiedenen Charakteren des Specks nähern, so muss man sich auch ausgesuchten ProduzentInnen nähern. Diese hauchen nämlich erst mit ihrer Interpretation von Tierhaltung (Rasse, Fütterung, Haltungsform), Verarbeitung, Reifung und Verkaufspräsentation der sonstigen Massenware die gesuchte Persönlichkeit ein. Für das große Spe(c)ktakel luden wir die fast schon archaisch arbeitenden Wiesners vom Arche des Wiskentale-Biohof aus Niederösterreich, Franz Wirth, den „Chefkoch“ für den tierschutzmäßig hochdekorierten Labonca-Biohof aus der Oststeiermark sowie Roman Schober, den Demeter-Fleischkünstler aus Gars am Kamp. Und weil Speck an und für sich in so konzentrierter Form eine wahre Herausforderung für die Gaumen darstellt, überließen wir die Weinauswahl diesmal einem erfahrenen Bio-Spitzenwinzer: Hans Czerny vom Demeter-Weingut Wimmer-Czerny.
Bauch x 4
Den Auftakt machte die Criollo-Kakaobohne, die aufgrund ihres angenehm herben Geschmacks nicht nur PuristInnen ins Schwärmen gerieten ließ. Neben 70 und 80 %igen Schokoladen und einer dänischen Haselnusscreme mit höchstem Suchtfaktor bildeten die Pralinen ein weiteres Highlight des Abends. Auch wenn diese die Phantasie der VerkosterInnen manchmal ein wenig durchgehen und recht eigenwillige Zutaten erschmecken ließen, waren die Assoziationen doch meist sehr treffend.
Der Rote, der Weiße und der farblose Slibowitz, das sind die Säulenheiligen der österreichischen Gasthauskultur. Neben diesem Triumvirat hat es der Roséwein ein wenig schwer, und dennoch erfreut er sich in den letzten Jahren immer größerer Beliebtheit. Angefangen hat dieser Trend in den Sommermonaten, in denen die fruchtig-beerige Aromenvielfalt in Kombination mit der belebenden Säure einen erfrischenden und leichten Genuss versprach. In der Zwischenzeit haben sich Roséweine auch als perfekte, unkomplizierte Speisenbegleiter in den Vordergrund gespielt.
„Seidengassler“: Grüner Veltliner Patronatswein, Gut Oberstockstall, Wagram & Pinot Noir, Georg Lunzer, Neusiedlersee Hügelland
Suche nach dem besonderen Geschmack
Der hochdekorierte Koch Meinrad Neunkirchner gilt schon seit Jahren als Wildkräuterüberzeugungstäter, der nicht nur in seinem Wiener Gasthaus Menschen mit Wildkräutermenüs beglückt, sondern der auch gemeinsam mit der Foodbloggerin Katharina Seiser ein prämiertes Kochbuch zum Thema herausgegeben hat. Im Rahmen des FiBL Tasting_forums „Wald- und Wiesenkulinarik“, das Mitte Mai im Kochstudio Essen:z stattfand, fanden die beiden ein breites Betätigungsfeld. Fast 50 Bio-Konsumentinnen erlebten bei einer Auswahl an frischen, konservierten und raffiniert zubereiteten Wildkräutern so manches Déjà-vu.
„Sie ist die grüne Wurst, macht Appetit und löscht den Durst“ – das ist das Klischeebild der Gurke. Über 50 KonsumentInnen und Fachleute sowie ein Kamerateam der ORF-Sendung „Eco“ wollten mehr wissen und ließen sich beim frühherbstlichen FiBL-Tasting_forum in eine schier unglaubliche Gurkenvielfalt entführen.
Cherrygurke (Haarweibchen)
Gurkencocktail (für 6 Cocktails)
Dass es auch anders geht, zeigte wieder einmal das FiBL tasting_forum, das sich mutig in die nicht immer ganz geruchsneutrale Welt des Bio-(Rohmilch-)Käses vorwagte und mit teilweise überraschenden Geschmackserlebnissen belohnt wurde.
Frienerhof
Wolfgang Palme, Leiter der Gemüsebauabteilung der HBLFA Schönbrunn, hatte bereits 2007 so eine Ahnung, dass Asiasalate auch in Österreich eine große Zukunft haben. Also baute er im damaligen Herbst sowohl im Folientunnel als auch im Freiland eine breite Palette des raschwüchsigen Asia-Salatsortiments an. Seither kamen ihm mehrere Zufälle zu Hilfe. Heute machen die Pflänzchen mit den exotischen Namen – zwar noch im kleinen Rahmen, aber immerhin – in der Spitzengastronomie wie auch als Vorzeigeprojekt eines klimaneutralen Glashaus-Biogemüseanbaus Furore (siehe auch Bio-Fibel 5-2009 „Asiaten, die aus der Kälte kommen“).
Agano
Das zweite FiBL-Tasting_ forum hat jedenfalls gezeigt, dass es sich wahrhaft auszahlt, die raschwüchsige Asiasalatvielfalt selber anzubauen, frisch zu ernten und ebenso frisch zu genießen. Dazu streuen Sie einfach Salatsamen in ein Blumenkisterl am Fensterbrett oder vom Frühjahr bis in den Spätherbst in ein Gemüsebeet und bei guter Witterung können Sie bereits nach 14 Tagen die ersten Babyleaf-Salate ernten und Ihren gewohnten Salat mit exotischen Farben und Aromen veredeln. Bio-Saatgut erhalten Sie z. B. bei
Norderd pure potato vodka