15. Oktober 2009 von reinhard
In der Praxis der heutigen Rinderhaltung werden praktisch alle Kälber, die für die Milchgewinnung vorgesehen sind, entweder in der ersten Lebenswoche ohne Betäubung oder in den ersten Lebensmonaten mit lokaler Betäubung enthornt. Bei der Enthornung werden die Hornanlagen mit einem Brennstab herausgebrannt, damit können die Hörner ab diesem Zeitpunkt nicht mehr wachsen. Die Operation ist wissenschaftlich belegt schmerzhaft, ein Eingriff in die Integrität der Tiere und daher tierschutzrelevant.
Die Gründe warum enthornt wird sind mannigfach: der Zuchtstandard der Rasse schreibt es vor, die Ställe sind so knapp bemessen, dass sich die Tiere mit Hörnern darin nicht mehr artgemäß bewegen können, zur Verringerung des Verletzungsrisikos für Mensch und Tier, weil es alle machen …
Ob wir das wollen oder nicht: Es ist - entgegen aller Werbebilder - davon auszugehen, dass aktuell 95 % aller österreichischen Milchkühe enthornt werden (wurden). Einzig der Demeter Bund und einzelne lokale Zuchtorganisationen sind nach wie vor Befürworter der Behornung bei Rindern.
Deutsche Fleckviehzuchtvordenker gehen heute davon aus, dass es mittels neuer Zuchtmethoden möglich sein wird, bis 2020 ausreichend viele reinerbig hornlose Stiere mit guter Leistung zu züchten, sodass theoretisch alle geborenen Fleckviehkälber genetisch ohne Hörner auf die Welt kommen. In diesem Fall ist das “Horngen” zwar noch vorhanden, aber der genetische Befehl zum Wachsen bleibt aus und die Hörner der Rinder bilden sich nie aus. Details dazu gibt es im Tagungsband der 16. FREILAND-Tagung. Damit würde die schmerzhafte Enthornung der Vergangenheit angehören.
Produziert die Hornloszucht Franckensteins Monster oder stellt sie eine elegante Lösung eines modernen Tierschutzproblems dar? Müssen Kühe Hörner haben, um nach einer richtigen Kuh auszusehen? Sollen alle Bio-Kühe Hörner haben? Haben die Hörner nicht nur eine Bedeutung als Kopfschmuck sondern eine wichtige Funktion im Wiederkäusystem (Stichwort: Demeter-Milch wird oft auch von Milchallergikerinnen vertragen)?
Meine Vision: Wenn alle österreichischen Kühe so viel Platz und Raumstrukturen bekommen, wie in der EU-Bio-Verordnung vorgeschrieben, wenn alle Kühe täglich Auslauf ins Freie bekommen, wenn alle Kühe in der Vegetationszeit auf die Weide dürfen, dann wäre die Hornloszucht eine gute Möglichkeit für all diejenigen, die mit behornten Tieren nicht umgehen wollen oder können. Die anderen könnten dann mit dem Mehrplatz auch wieder behornte Rinder halten und es gibt einen Markt für “enthornte Milch” und für “behornte Milch”.
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20. Februar 2009 von reinhard
EUR 2,79/kg ist der derzeitige Kampfpreis für ein Brathendl im Ganzen. Ein Bio-Hendl kostet zumindest EUR 8,-/kg. Sauteuer, würde man meinen, und doch verkaufen sich die Bio-Hendl ausgezeichnet, u. a. auch weil das Fleisch einfach besser schmeckt. Aber, gibt es eine Schmerzgrenze, über der dann die Kaufeslust total zusammenbricht?
Zum Verständnis: Konventionelle Masthendl haben ein kurzes Leben. Innerhalb von ca. 30 Tagen wachsen die Tiere in großen Hallen in turbomäßiger Geschwindigkeit. Die seit Generationen durchgeführte Zucht auf schnelles Wachstum und hohen Muskelfleischansatz hat dazu geführt, dass - trivial gesagt - die Muskeln schneller wachsen als das Skelett, zudem wächst die Brust überproportional stark. Die Folge: die Tiere tun sich schon bald sichtbar schwer beim Gehen, Schmerzen und Leiden der Tiere sind in vielen Fällen wahrscheinlich. Das ist der Preis für den neidrigen Preis.
Für die Mast von Bio-Hendln werden spezielle “Rassen” verwendet, die etwa 80 Tagen brauchen, um schlachtreif zu sein. Die Tiere wachsen langsamer und harmonisch, sodass die Tiere den angebotenen Auslauf ab der 4. Lebenswoche gut und gerne nutzen können. Die fast Verdreifachung der Lebenszeit bedeutet dreimal so viel (teures) Bio-Futter und der Stall kann nicht so oft und lange nicht so dicht gefüllt werden. So erklärt sich plausibel der Preis.
Einen Schritt weiter geht der Ansatz, alte (gefährdete) Hühnerrassen wie z. B. das Sulmtalerhuhn mit heimischem Futter wirklich langsam zu mästen. 100-140 Tage Mastdauer ergeben sich so. Der Preis einer solchen Spezialität? EUR 15,- oder 20,- vielleicht sogar 25,-/kg.
Würden Sie so ein Hendl kaufen, wie viel es pro kg kosten?
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23. Januar 2009 von reinhard
bei einer schlachtung dabei zu sein berührt mich jedes mal auf eine ganz besondere art. die schlachtung ist uns mit dem fleischeinkauf im supermarkt, wo wir ja nur mehr stücke auf styroporhalbschalen sehen, fremd und fern geworden.
mitte jänner war ich nach langem wieder einmal mit zwei schlachtexpertinnen eine woche lang sehr intensiv in nö schlachtbetrieben unterwegs. was mir dabei aufgefallen ist: bei der schlachtung selber gibt es keinerlei unterscheidung in bio und nichtbio, da werden alle tiere nach einem mehr oder minder guten schema gleich behandelt. keiner der betriebe arbeitete fehlerfrei, das war auch nicht zu erwarten. tierschutzrelevante grausigkeiten - wie wir es aus fernsehbildern kennen - konnten wir erfreulicherweise in der ganzen woche keine einzige beobachten.
die hauptsächlichen probleme liegen allerdings davor: die anlieferung der tiere, die gestaltung und ausstattung der wartebuchten, die belegdichte der buchten, die treibwege, der umgang mit den tieren etc. haben eine vielzahl an massivem verbesserungsbedarf gezeigt. in diesem bereich gibt es von bio austria nö schon ein paar sehr positive ansätze. dennoch werde ich nun mit dem freiland verband, bio austria nö, expertinnen und den schlachthofleitern praktikable, möglichst einfache lösungen ausarbeiten und umsetzen. die bio-landwirtschaft hat in diesem bereich eine besondere verantwortung zum handeln, aber auch die kompetenz.
folgende fragen bleiben: müssen bio-tiere bei transport und schlachtung besser behandelt werden als andere tiere? reicht es nicht, wenn die abläufe vom bauernhof weg bis zum zeitpunkt der tötung grundsätzlich so optimiert werden, dass sie zweifelsfrei tierschonend sind? nutztiere leben ja nur, weil wir menschen eine nutzungsinteresse haben und mit den tieren einen deal eingehen. wie viel müssen wir ihnen in diesem deal tatsächlich bieten, um von einem fairen abkommen zu sprechen?
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15. Dezember 2008 von reinhard
Hier bloggt der FREILAND Verband für ökologisch tiergerechte Nutztierhaltung und gesunde Ernährung.
- Wir möchten den Dialog zwischen Wissenschaft und Landwirten fördern.
- Wir möchten eine Plattform für alle bieten, denen die Bio-Landwirtschaft ein Anliegen ist aber auch für alle, die eine kritische und distanzierte Sicht haben.
- Wir möchten die Leistungen und Schwachstellen der Biologischen Landwirtschaft – von der landwirtschaftlichen Urproduktion bis zum Lebensmittel am Teller – aufzeigen.
- Wir möchten eine Plattform darstellen, um die Bio-Landwirtschaft von der landwirtschaftlichen Produktionsmethode heraus rascher zu einer Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts zu führen, die im Schulterschluss von BäuerInnen, Verarbeitung, Handel und KonsumentInnen viele der anstehenden globalen und lokalen Probleme lösen kann.
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